Steinberg (Foto: Rheinbahn-Archiv) Steinberg (Foto: bm) Steinberg (Foto: Rheinbahn-Archiv)

8. September 2019 - Tag des offenen Denkmals

Zum offiziellen Pressetermin am 6. September stehen Burkhard Nehrlich und Michael Tesche ungefähr an dem Standort, von welchem aus vor 90 Jahren das Bild aufgenommen wurde, das sie in Händen halten.

Anknüpfend an das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses lud die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unter dem Motto: Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur in diesem Jahr dazu ein, den Blick auf alle revolutionären Ideen oder technischen Fortschritte über die Jahrhunderte zu richten und darauf, wie diese neue Kunst- und Baustile herbeiführten und somit ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Gegebenheiten darstellen.

Umbrüche lassen sich in vielfältiger Weise definieren und entdecken, z. B. in der Materialverwendung oder -entwicklung und durch technische Fortschritte, innovative Konstruktionen und Entwürfe. Ob Holz, Stein, Stahl, Beton oder Kunststoff, jedes Material bringt aufgrund seiner technischen Fähigkeiten neue, andere bauliche Entwürfe hervor – und ermöglicht neue Wege.

Die Weiterentwicklung von industriellem Stahl im 19. Jahrhundert schaffte neue technische Möglichkeiten, gleichzeitig fordern die Materialeigenschaften des Stahls neue technische Anwendungen.

Die eindrucksvolle Architektur der Durchfahrhalle mit dem auf dem Mittelgleis der unter Denkmalschutz stehenden siebengleisigen Aufstellhalle abgestellten Triebwagen 2151, dem einstmals ersten achtachsigen Doppelgelenkwagen der Düwag, war ein beliebtes Fotomotiv.

Die Verwendung armierten Betons, also eine Verstärkung des Betons durch eine Eisen- bzw. Stahleinlage, begann mit der Anmeldung des Patentes von Joseph Monier 1880, weshalb diese neue Bauweise anfänglich auch als „Monierbau“ bezeichnet wurde.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Baustoffen wie Stein und Holz wird Beton gegossen und kann somit jede beliebige Form annehmen. Die Stahleinlage ermöglicht eine weite Spannbreite der Elemente, was vor allem dem Brückenbau zugutekam, aber auch im Industrie-, Geschäfts- und Ingenieurbau ab ca. 1900 für Werks- und Lagerhallen breite Anwendung fand. Diese Bauwerke ließen im zunehmenden Maße die Aufnahme höherer Lasten zu. Die Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes seitens der Baubehörden waren ebenfalls gestiegen. Beide Rahmenbedingungen konnten die Stahlbetonbauten erfüllen.

Der neue Betriebshof für die Düsseldorfer Straßenbahnen, der 1908 in Himmelgeist (heute: Am Steinberg) eröffnet wurde, zeigt die Moderne im Ingenieurbau: Die leicht wirkende Konstruktion der Stützpfeiler, die mit ihren geschwungenen Bögen an Sakralbauten erinnert, vermag die großflächigen Glasscheiben der Überdachung zu tragen, die viel Licht ins Innere lässt und die darin befindlichen Arbeitsplätze an den Revisionsgruben (Gleis 7-13) erhellt. Innovativ war die dadurch erzeugte freundliche Atmosphäre für Zweckbauten dieser Art.

„Mit den hochsparsam dimensionierten Elementen der Konstruktion, verfügt die Halle in beiden Teilen (Gleise 7-13 und Gleisen 14-17) über eine ästhetische Dimension, die über den Durchschnitt des zeitgenössischen Eisenbetonbaus deutlich herausragt.“, heißt es dazu in den Ausführungen über den Denkmalschutz, der seit 1996 für den ältesten Betriebshof der Rheinbahn besteht.

Die historisch und baugeschichtlich relevanten Teile des Depots „Am Steinberg“ sind Zeugen der herausragenden Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs bis in die heutige Zeit.

Der Niederschlag des Bauwerks in den einschlägigen zeitgenössischen Zeitschriften des Bauwesens beweist, dass dem Bau bereits in seiner Entstehungszeit gebührende Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Rund 1750 Besucher interessierten sich für die Ausstellungen und Führungen zu der sehenswerten Architektur der Hallen und dem historischen Wagenpark.

Mit 1.750 Besuchern, die den Steinberg besichtigten und 700 Fahrgästen, die den Shuttle benutzten, gehörten die beiden Veranstaltungen rund um den historischen Stadtverkehr zu den bestbesuchtesten der rund 50 historischen Orte und Gebäude, die in Düsseldorf am bundesweiten Tag des offenen Denkmals teilnahmen. Insgesamt 11.000 Besucher nutzten diese Gelegenheit, sich über die vielfältigen Denkmäler in der Landeshauptstadt zu informieren.

Bereits gegen 10:00 Uhr erwarteten die ersten Interessierten die Öffnung der Tore am Steinberg, der von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr ein vielfältiges Programm für die Besucher bot, in dessen Mittelpunkt das historische Bauwerk mit seinen drei Wagenhallen und die dort ausgestellten historischen Bahnen und Busse stand. Die angekündigten stündlichen Führungen über das Gelände und den Fahrzeugpark mussten aufgrund des starken Andrangs den ganzen Tag über halbstündlich durchgeführt werden.

KSW-Triebwagen 14 mit seinem Beiwagen 332 war das älteste Gespann, das zum Denkmalstag die Innenstadt mit dem historischen Betriebshof verband.

Die stilechte Anreise gewährleistete der Shuttle mit dem "Rollenden Museum". Die vier historischen Bahnen, die dazu zwischen dem Hauptbahnhof und dem Steinberg unterwegs waren, transportierten etwa 750 Fahrgäste, welche die Anreise in den historischen Bahnen sichtlich genossen und zum Teil mehrere Fahrten in den unterschiedlichen Fahrzeugen unternahmen.

Auch die fünf historischen Rheinbahn-Busse auf dem Freigelände fanden sehr viel Aufmerksamkeit, ebenso eine Ausstellung diverser technischer Gegenstände der Verkehrstechnik, die oft unbemerkt sind, ohne die aber Bahnen und Busse nicht fahren könnten, zeigte einige Signale, eine DyFa (dynamische Fahrgastinformation) und einen Fallblattanzeiger - jeweils in Betrieb.

Ergänzt wurden die Informationen durch eine Fotoausstellung im ehemaligen Aufenthaltsraum im Dienstgebäude, welche die Veränderungen des Steinbergs in historischen Aufnahmen - darunter auch Bilder aus der Bauzeit von 1908 - aufzeigte.

Die Fotoausstellung im ehemaligen Aufenthaltsraum für die Fahrer zeigte die Entwicklung des Betriebshofs.

Nicht nur die kleinen Besucher begeisterten sich für die beiden Modellbahnanlagen, auf der Düsseldorfer Fahrzeuge ihre Runden drehten. Sowohl die Detailtreue der 2m-Demonstrationsanlage als auch die H0-Anlage, auf der Streckenabschnitte der "12" nach Ratingen nachgebaut wurden, fand auch bei den "großen Experten" viel Anerkennung.

Obwohl die beiden Anlagen recht gut auf Augenhöhe der meisten Kinder ausgerichtet war, mussten die Allerkleinsten doch auf den Arm genommen werden, die natürlich auch einen Blick auf den abwechslungsreichen Modell-Fahrzeugpark werfen wollten, der hier unablässig seine Runden drehte.

Welchen Stand die Software-Simulation erreicht hat, wurde anhand des LOTUS-Straßenbahnsimulators gezeigt. Ob am Monitor oder mit der VR-Brille konnten Stadtbahnwagen durch die Düsseldorfer Innenstadt gesteuert werden. Manchem "virtuellen Fahrer" fiel es schwer den Joystick einem anderen Interessierten zu überlassen.

Zusätzlich sorgte eine Rallye für eine intensive Beschäftigung mit dem Gezeigten, die mit einer kleinen Überraschung belohnt wurde. Den Fragebogen zierte ein extra für diese Veranstaltung gezeichneter rheinischer Löwe, des vor allem als Karnevalswagenbauer bekannten Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly, dessen Werkstatt gleichfalls in einer der ehemaligen Wagenhallen beheimatet ist.

Erstmalig bei einer Steinberg Veranstaltung vertreten waren die historischen Busse der Rheinbahn. Auf dem Gelände des ehemaligen Rheinbahndepots befindet sich außerdem das Atelier des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly, der zum heutigen Tag des offenen Denkmals einige seiner bekanntesten Werke zur Verfügung stellte.

Neben so bekannten Objekten wie der inzwischen schon recht weit gereisten Großplastik der Umweltaktivistin Greta Thunberg oder den beiden, den INF-Vertrag zerreißenden Staatspräsidenten durfte natürlich auch der Hoppeditz nicht fehlen.

(Text/Fotos: bm)

Hier entsteht zurzeit die Website des historischen Straßenbahnbetriebshofs Am Steinberg in Düsseldorf.

Eine Initiative der Linie D - Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr Düsseldorf e. V.

www.linied.net

Bis zur Fertigstellung dieser Website besuchen Sie bitte auch die Website der "Linie D".

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9. Dezember 2018 - Haltestellenschilder -Verkauf in der Waschhalle

15. Oktober 2017 – Tag der offenen Tür, Jubiläum 25 Jahre „Linie D“ > mehr ...

18. Juli 2017 - Das Aus für die Ateliers am Steinberg > mehr ...

3.-5. Februar 2017 – Fotokunst im Steinberg
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11. September 2016 - Tag des offenen Denkmals
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9. April 2016 - Nacht der Museen > mehr ...

20. Dezember 2015 – Historische Bahnen zurück im Btf. Steinberg > mehr ...

25. August 2015 - Aufsichtsrat stoppt Verkauf des Steinberg-Geländes > mehr ...

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15. November 2011 - Die <Linie D>, Ausgabe 2.2011, ist erschienen. Die Titelgeschichte widmet sich der 103jährigen Baugeschichte des Betriebshofs Am Steinberg. > mehr ...

14. Juli 2011 - Düsseldorfer Stadtrat entscheidet über Steinberg-Anträge. > mehr ...

27. Juni 2011 - Neue Perspektive für weitere Straßenbahnnutzung im Steinberg. > mehr ...